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13 August, 2012

17. INTERNATIONALES LITERATURFESTIVAL LEUKERBAD

Was sich 1996 aus zahlreichen einzelnen Lesungen erstmals zu einem Literaturfestival entwickelt hat, ist mittlerweile eine beispiellose Erfolgsgeschichte in der deutschsprachigen Literaturszene: Das Internationale Literaturfestival in Leukerbad hat sich zu einer Plattform für Begegnungen zwischen Autorinnen und Autoren und zu einem wichtigen Knotenpunkt im europäischen Literaturnetzwerk entwickelt. 

Die 17. Ausgabe des Internationalen Literaturfestivals Leukerbad  vom 6. bis 8. Juli 2012 präsentierte nicht nur Autorinnen und Autoren aus der Schweiz und Europa, sondern aus allen Teilen der Welt. Umgeben von heissen Quellen und vor beeindruckender Bergkulisse laden 27 Dichter und Schriftstellerinnen ein Wochenende lang zu spannenden Lesungen und Diskussionen.

Nach Leukerbad reiste der Chinese Liao Yiwu, der vor einem Jahr aus seiner Heimat floh, um sein neustes Buch publizieren zu können. Ihm wurde vor Kurzem der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012 zugesprochen.

Zu Gast in Leukerbad waren dieses Jahr auch Romanciers von Weltruhm: die Amerikanerin Nicole Krauss, der Neuseeländer Anthony McCarten und der Brite Edward St. Aubyn, der eine seiner seltenen Lesungen hielt. Und auch Sibylle Lewitscharoff, Ilija Trojanow und der Experimentalautor Hervé Le Tellier fügten sich nahtlos in diese Reihe ein.


Peter Bichsel: Lesung in idyllischer Umgebung
Mit Peter Bichsel, Franz Hohler und Jürg Laederach reisten drei Schweizer Grossmeister des komischen und satirischen, aber auch nachdenklichen Erzählens ins Wallis. Die jüngere Schweizer Autorengeneration war vertreten durch Christoph Simon, Monique Schwitter und Florian Vetsch, der in einer Performance mit Musik und Fotografie-Projektionen sein Buch „Tanger Trance“ vorstellte.

10 Juli, 2010

15. INTERNATIONALES LITERATURFESTIVAL IN LEUKERBAD

Vom 2. bis 4. Juli 2010 fand bei optimalem Wetter das 15. Internationale Literaturfestival in Leukerbad statt.

Die Schauplätze
Die Lesungen fanden z.B. im Alten Bahnhof, in stilvollen Hotels, in der pittoresken Dalaschlucht, im Irisch-Römischen Bad, im Restaurant auf der Gemmi-Passhöhe um Mitternacht, im Freien auf der Terrasse des Hotels "Alpina", in einem stillgelegten Thermalbad oder in der Bar des Fünfstern-Hotels "Source des Alpes" statt.

Empfohlene Bücher:

Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden, Roman. Bilger Verlag, Zürich 2010, ISBN-10 3037620056, ISBN-13 9783037620052, gebunden, 180 Seiten.
Urs Allemann: im kinde schwirren die ahnen: 52 Gedichte, Sammlung Urs Engeler Editor, Basel 2008, 51 S., ISBN 978-3-938767-39-9. Urs Allemann ist ein brillanter Interpret seiner Texte: Auf der CD, welche diesem Buch CD beiliegt, ist das mit Vergnügen festzustellen.
Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln, mare verlag 2010, ISBN: 978-3-86648-117-6, gebunden, 150 Seiten, 50 Landkarten.
Alois Hotschnig: Im Sitzen läuft es sich besser davon, Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, 2009, 144 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-462-04137-8

Terrasse des Hotels "Alpina" (Lesung von Christoph Poschenrieder)
Schwimmbecken des alten Thermalbades
Kaminbar im gediegenen Hotel "Source des Alpes" (Lesung von Rolf Dobelli)
Irisch-Römisches Bad (Lesung von Alissa Walser).
Milena Moser
Christoph Poschenrieder
Judith Schalansky
Urs Allemann
Arno Camenisch
Alois Hotschnig

07 Juli, 2008

13. LITERATURFESTIVAL IN LEUKERBAD

Das internationale Literaturfestival von Leukerbad will den französischen Sprachraum künftig stärker berücksichtigen. Schon die diesjährige 13. Ausgabe des Festivals habe einen "deutlichen accent" gehabt, schreiben die Veranstalter. Aus der Westschweiz waren die Autorinnen Rose-Marie Pagnard und Marie-Jeanne Urech präsent, aus Frankreich Marie Ndiaye und Cécile Wajsbrot und aus Senegal Fatou Diome. Besonders erfreut zeigte sich die Festivalleitung laut Communiqué über die deutlich gestiegene Besucherzahl aus der Romandie und aus Frankreich. Insgesamt wurden 1300 Eintritte verzeichnet, eher mehr als in früheren Jahren. Rund zwei Dutzend Autorinnen und Autoren lasen in Hotelbars, auf Kurhaus-Terrassen, in einem trockengelegten Hallenbad oder während einer Wanderung durch die Dala-Schlucht.
Der Schriftsteller Ulrich Peltzer konnte während des Festivals im Bischofsschloss der Stadt Leuk den Spycher Literaturpreis entgegennehmen.

Jenny Erpenbeck liest aus ihrem neuen Roman 'Heimsuchung'



Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow liest aus dem Roman 'Die letzte Liebe des Präsidenten', der teilweise in Zürich und Leukerbad spielt

Katarina Faber erzählt in Ihrem Roman 'Fremde Signale' über drei Schutzengel

Zu den weiteren prominenten Namen zählten Anne Weber aus Deutschland, Gerhard Rühm aus Wien, Laszlo Krasznahorkai und Peter Nadas aus Ungarn sowie Zeruya Shalev aus Israel. Von den arrivierten Schweizer Autoren waren etwa der Altmeister Jörg Steiner und Lukas Bärfuss in Leukerbad. Als Überraschungsgast las Pedro Lenz, der eben erst in Klagenfurt von der Jury ungnädig behandelte Schweizer Kandidat im diesjährigen Bachmann-Wettbewerb.

Buchtipps: Jenny Erpenbeck: Heimsuchung, Eichborn, 2008. - Katarina Faber: Fremde Signale, Bilgerverlag, 2008. - Anne Weber: Gold im Mund, Suhrkamp, 2005. - Andrei Kurkow: Die letzte Liebe des Präsidenten, Diogenes, 2005. - Lukas Bärfuss: 'Hundert Tage', Wallenstein Verlag, 2008. - Péter Nádas: Parallelgeschichten (noch nicht auf Deutsch erschienen). - Ulrich Peltzer: Teil der Lösung, Ammann, 2007.

01 Juni, 2008

LITERATURMEILE MIT JOHANN PETER HEBEL

Es passte an diesem Sonntag, den 1. Juni 2008, einfach alles zusammen bei dieser kulturellen "Literaturmeile" auf Schusters Rappen - der Wettergott sorgte für sommerliche Temperaturen, und an insgesamt sechs Stationen kam jede und jeder der über 80 kultur- und literaturbeflissenen SonntagsspaziergängerInnen auf die Kosten.

Den Auftakt im Hebelhüsli machten drei Schüler aus Hausen mit einem szenischen Gedicht des alemannischen Dichterfürsten. Markus Manfred Jung steuerte humorige Gedanken zum alemannischen Grußwort 'Soli' bei und trug eine Handvoll eigener Gedichte vor, unter anderem über das Wort als Asyl des Dichters, über die Raben und vom 'Go seggle go'. Für das leibliche Wohl gab es Gugelhopf und Tranksame.

Das Hebelhaus in Hausen im badischen Wiesental

Nach einem zwanzigminütigen Fußmarsch am Entegast entlang gab es an der Niederberghütte zunächst Stärkung in flüssiger und fester Form, ehe das 'Breite Liesele' auf gut Alemannisch Geschichten erzählte und Gedanken zu Johann Peter Hebel äußerte.

Die Niederberghütte

Es folgte wieder eine kleine Prozession in Richtung Schlössle Ehner-Fahrnau, wo in der historischen Scheune in der Nähe des Golfclubs das Duo 'Spootschicht' mit Berthold Hünenberger und Andreas Schaffrina alemannische Lieder vortrug. Es war etwas ungewohnt ein Lied von Kris Kristofferson, das einst Johnny Cash sang, im einheimischen Idiom zu hören.

An Station vier, dem Technikmuseum in Fahrnau, demonstrierte Harald Schwab-Strube zunächst, wie Linotype-Setzmaschinen funktionieren. Danach löffelten die TeilnehmerInnen eine historische Hecker-Suppe aus, bevor Reinhard Seiberlich einen Vortrag "Aus der Feder Georg Uehlins" hielt.


Das Technikmuseum in Fahrnau

Weiter ging's anschliessend zur Lenk-Plastik in der Altstadt von Schopfheim, wo erneut Reinhard Seiberlich mit einer flammenden Rede als badischer Revolutionär Friedrich Hecker vom Rathausbalkon herab die Bürgerschar zum Umsturz aufrief - rein literarisch natürlich. Gemeinsam wurde dann aus fast hundert Kehlen das badische revolutionäre 'Bürgerlied' von 1848 gesungen.


Friedrich Hecker (alias Reinhard Seiberlich) bei seiner Rede in Schopfheim

Ans Ziel kam die Literaturmeile schließlich im Museum der Stadt, wo Markus Manfred Jung Gedanken von Max Picard und von Hebel zum Fluss Wiese vortrug. Wer Lust und eine Restportion Kondition übrig hatte, konnte sich noch die Sonderausstellung 'Gestickte Poesie' zu Gemüte führen. Bei Kaffee und Erdbeerkuchen wurde schliesslich das Erlebte besprochen und gewürdigt. Ein grosser Dank an die Organisatoren, welche diesen Tag zum Erlebnis machten!

22 Mai, 2008

TANIKAWA SHUNTARO: FELSEN DER ENGEL

Tanikawa Shuntarō, geboren am 15. Dezember 1931 in Suginami (Tokyo), ist einer der populärsten japanischen Dichter der Moderne. Er hat über 60 Gedichtbände veröffentlicht (darunter viele Bestseller), Fernseh-, Radio- und Filmskripte verfasst, Kindergeschichten übersetzt (darunter auch die 'Die Peanuts' von Charles Schultz) und seine Werke öffentlich in Amerika und Europa vorgetragen. Im Mai 2008 machte Tanikawa Lesungen in Basel, Zürich und Bern.

links: 2008.05.21., Mitte: Tanikawa Shuntarô, oben rechts: Kuree no tenshi (signiert vom Autor)

1939 hat Paul Klee Engel gezeichnet und gemalt, wie immer mit Bildtiteln, die meist schon ein Gedicht an sich sind. Fast sechzig Jahre später hat Tanikawa Shuntarô, seine Verse zu Klees Engeln gesetzt. Die japanische Ausgabe von Takinawas Gedichten erschien 2000 ('Kuree no tenshi', wörtlich: Klees Engel), eine französische Übersetzung erschien 2004. Jetzt erscheinen im Mai 2008 die Gedichte auf Deutsch im Waldgut-Verlag, Frauenfeld unter dem Titel 'Fels der Engel'.

Paul Klee: der Fels der Engel, 1939

Der Sprachmeister Tanikawa steht dem Bildmeister Klee in keiner Weise nach. Klar, leicht, spielend und doch eigenständig kommen diese Gedichte hergeschwebt, und sie stellen sich ganz selbstverständlich auf den harten Alltagsboden. Paul Klee, Tanikawa Shuntarô, Engel – das ist fürwahr ein Kleeblatt, das staunen macht und begeistert. Im Buch stehen Tanikawas Texte neben den titelgebenden Zeichnungen, zwei Bilder sind in Farbe gedruckt. Im letzten Teil finden sich die Texte auf Japanisch und Nachworte von Tanikawa und dem Übersetzer des Bandes, dem renommierten Japanologen Eduard Klopfenstein.

11 Februar, 2008

TAGEBÜCHER: DAS GESPIEGELTE ICH

Die einen halten es für eine pubertäre Angelegenheit oder für eine literarisch minderwertige Form. Andere nehmen sich ständig vor, eines zu führen und kommen ihrem Vorsatz doch nie nach. Wieder anderen ist es steter Begleiter, Trost, Schmollwinkel, Schmerzmittel und intimster Gesprächspartner. Vielen Autoren und Autorinnen dient das Tagebuch als Skizzenbuch, Ideenspeicher und Rohstofflager. Berühmt ist Sören Kierkegaards „Tagebuch eines Verführers“, berüchtigt sind die erotischen Tagebücher der Anais Nin, Max Frisch machte es zu einer Form öffentlichen Nachdenkens über sich selber und seine Zeit, der Schriftsteller Guido Bachmann schuf seine autobiographischen Romane 'lebenslänglich' und 'bedingt entlassen' auf Grund seiner Tagebuchaufzeichnungen.



Die Ausstellung widmet sich dem Tagebuch als dem – intimen oder öffentlichen – Ort des Dialogs mit dem eigenen Ich. Sie fächert die Spannweite der Themen auf, die einem Tagebuch anvertraut werden, von den erotischen Erlebnissen bis zu den Beobachtungen in Kriegs- und Reisetagebüchern. Sie bezieht sich nicht nur auf Texte der Weltliteratur, sondern auch auf Dokumente der privaten Alltagskultur, wie sie im Deutschen Tagebucharchiv Emmendingen gesammelt und aufbewahrt werden. Und schliesslich wirft sie einen Blick in die Zukunft des Tagebuchs, das immer häufiger in der Form von Weblogs im Internet öffentlich zugänglich gemacht wird und damit den tiefgreifenden Wandel der Subjektivität im Verlaufe der Jahrhunderte bezeugt.
Die Ausstellung der Kuratorin Sibylle Gut ist noch bis zum 7. März 2008 im Museum Strauhof in Zürich zu sehen. Oeffungszeiten: Di–Fr 12 – 18 Uhr Sa–So 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen.

15 August, 2007

AUF DEN SPUREN VON ROBERT WALSER (TEIL 2)

In seiner Geburtsstadt Biel absolvierte der aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Robert Walser (1878-1956) eine Banklehre. Ein Jahrzehnt lang, von 1896 bis 1905, lebte Walser in Zürich und Wädenswil (vgl. den Blog am 15. Juli 2007). 1905-1913 wohnte Walser in Berlin, wo er seine grossen Romane schrieb. 1913 kehrte Walser in die Schweiz zurück. Bis 1921 lebte er in Biel, anfangs 1921 übersiedelte er nach Bern, wo er für einige Monate eine Stellung als Bibliothekar im Staatsarchiv annahm. In Bern lebte er sehr zurückgezogen und wohnte in möblierten Zimmern, die er häufig wechselte. Anfang 1929 begab sich Walser, der schon seit einiger Zeit von Angstzuständen und Halluzinationen geplagt wurde, nach einem geistigen Zusammenbruch auf Rat eines Psychiaters und auf Drängen seiner Schwester Lisa Walser in die Heilanstalt Waldau bei Bern. 1933 wurde Walser gegen seinen Willen in seinen Heimatkanton nach Herisau versetzt. Seit Juni 1933 lebte er als Psychiatriepatient in der Ausserrhodischen Heil- und Pflegeanstalt in Herisau. Wichtigste Bezugsperson und Förderer wurde Carl Seelig aus Zürich, mit dem Walser ab 1936 zahlreiche Wanderungen unternahm. Nach dem Tod des Bruders Karl (1943) und der Schwester Lisa (1944) übernahm Seelig die Vormundschaft. Ziemlich vergessen verstarb Robert Walser am Weihnachtstag 1956 bei einem einsamen Spaziergang im Schnee auf der Wachtenegg ob Herisau.
Mit dem Robert Walser-Pfad in Herisau schuf der Schriftsteller Peter Morger (1956-2002) im Jahr 1986 den ersten Schweizer Literaturweg. Der landschaftlich reizvolle, kulturhistorisch und literarisch gehaltvolle Rundweg lädt ein zur Erkundung von Lebensstationen des Schriftstellers Robert Walser und verbindet Orte der Erinnerung. Tafeln mit Zitaten begleiten den Pfad und geben vielfältige Einblicke in Walsers Werk. Eingangs Oberdorfstrasse befindet sich der aus Jurakalk geschaffene Brunnen mit einer Skulptur von Lorenz Balmer. Er entstand 1962 "zum Andenken an den Dichter Robert Walser und seinen Bruder den Maler Karl Waser". Im “Haus für ruhige Männer“ der ehemaligen kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Herisau verbrachte Robert Walser die letzten 23 Jahre seines Lebens. Dieses Haus und weitere Klinikgebäude wurden 1908 vom Architekturbüro Rittmeyer & Furrer, Winterthur, erstellt.



















Die Strecke durch den Roserwald zur Wachtenegg und weiter zur Rüti ist Robert Walser häufig gegangen. 13 Tafeln mit Texten von Robert Walser laden zum besinnlichen Verweilen ein, dazwischen eröffnen sich wunderbare Panoramaansichten auf Herisau und den Alpstein. Beim Abstieg von der Wachtenegg zum Bauernhof starb Robert Walser in der Schneelandschaft des Weihnachtstages 1956.

Auf dem Herisauer Friedhof fand Robert Walser seine letzte Ruhestätte. Der schlichte Grabstein befindet sich mitten im Friedhof. Inschrift auf dem Grabstein: "Ich mache meinen Gang/der führt ein Stückchen weit/und heim, dann ohne Klang/und Wort bin ich beiseit."

Literatur: Carl Seelig: Wanderungen mit Robert Walser, 1957. - Franz Hohler: 52 Wanderungen, Luchterhand 2005, daraus: Wachtenegg.






15 Juli, 2007

AUF DEN SPUREN VON ROBERT WALSER

Unter kundiger Leitung der charmanten und kompetenten Literaturvermittlerin Martina Kuoni folgte ich am ersten Tropentag des Jahres den Spuren des Schweizer Schriftstellers Robert Walser in seiner Zürcher Zeit. Der Einstieg erfolgte im Robert Walser-Archiv in Zürich (Beethovenstrasse 7), wo viele Manuskripte und Briefe sowie die berühmten Mikrogramme aufbewahrt werden: Walser schrieb seine Texte mit Bleistift in winziger Sütterlinschrift auf. Sie kann nur von Experten entziffert werden. Ein Jahrzehnt lang, von 1896 bis 1905, lebte Walser in Zürich. (Bild links: Robert Walser um 1900). Er arbeitete als 'Commis' (Büroangestellter) in unzähligen Firmen, jeweils nur so lange, bis er genug Geld auf der Seite hatte, um sich wieder für einige Zeit dem Schreiben widmen zu können. 17 Wohnadressen sind aus dieser Zeit nachgewiesen: Mansarden in der Altstadt (z.B. Neumarkt 3, Grossmünsterplatz 6, Trittligasse 6, Frankengasse 24), in Aussersihl und auf dem Zürichberg. In Zürich schrieb Walser Gedichte und Prosastücke. An der Trittligasse 6 entstanden im Spätherbst 1901 "Fritz Kochers Aufsätze". Das Buch erschien 1904 im Insel Verlag. Es war kein grosser Erfolg, nur 49 Exemplare konnte der Verlag nach einem halben Jahr absetzen.
Nach dem Rundgang in der Zürcher Altstadt folgte eine Schiffahrt nach Wädenswil. Die zweite Jahreshälfte 1903 verbrachte Walser im kleinen Haus des Erfinders und Ingenieurs Carl Dubler in Wädenswil, das Walser ziemlich ironisch Villa «Zum Abendstern» nannte. Dublers Existenz endete in einem gewaltigen Konkurs. Fünf Wochen vorher hatte Robert Walser aber seine Stellung bei Dubler bereits aufgegeben. Als Frucht dieser Tätigkeit entstand später in Berlin der Roman «Der Gehülfe», in dem Dubler zum Fabrikanten Tobler wurde. Viele Schauplätze dieses Romans können heute noch mühelos in Wädenswil entdeckt werden. Die Villa «Zum Abendstern» gibt es immer noch. Dort wohnt jetzt Bernhard Echte, der bis Ende 2006 das Robert Walser-Archiv in Zürich geleitet und viele Mikrogramme Walsers entziffert hat. Bernhard Echte führte uns durch Wädenswil und durch das Haus und las anschliessend einige Texte von Robert Walser vor. Er und seine Gattin bewirteten uns den ganzen Nachmittag freundlich mit Tranksame (wichtig an diesem Hitzetag) und mit einem reichhaltigen Apéro.

Infos zu den Literaturführungen von Martina Kuoni unter http://www.literaturspur.ch/

Bilder unten: Die Villa "Zum Abendstern" in Wädenswil, das "Bureau" des Erfinders Tobler und der Gartenpavillon, der im Roman "Der Gehülfe" oft erwähnt wird.




03 Juli, 2007

12. INTERNATIONALES LITERATURFESTIVAL IN LEUKERBAD

Alexander Kluge

Während drei Tagen bestritten 23 Autoren und Autorinnen 50 Veranstaltungen an aussergewöhnlichen Orten. Besonders beliebt waren erneut die literarischen Wanderungen durch die Dalaschlucht, heuer mit Juri Andruchowytsch aus der Ukraine und Monique Schwitter aus der Schweiz. "Zum Festival im Festival" wurde der Literarische Abend im trockengelegten Bad St. Laurent. Auch am diesjährigen Literaturfestival in Leukerbad kamen bekannte wie noch kaum entdeckte Autoren aus der ganzen Welt zu Wort. Gemeinsam ist ihnen die hohe literarische Qualität. Und wie immer gilt in Leukerbad die eiserne Regel der Bergler: Die wirklich wichtigen Begegnungen eines Lebens kommen meist unverhofft.

Colum McCann

Es gab viele Highlights: Ein wirklich kluges Gespräch des berühmten Alexander Kluge mit Durs Grünbein - ein Erlebnis. Auch Arnold Stadler mit seinem neuen Roman "Komm, gehen wir!" konnte die ZuhörInnen in den Bann schlagen. Weitere AutorInnen, die uns besonders gefallen haben: Annette Mingels, Monique Schwitter, Christoph Hein, Colum McCann mit seinem neuen Roman "Zoli" (sehr gut!!), Sasa Stanisic (eine Entdeckung!), Robert Menasse (BILD unten, geistreich und sehr ironisch), Monique Schwitter (BILD unten) und die junge Nora Gomringer (eine sprachliche Urgewalt!).