06 August, 2007

DER BLAUE REITER UND KOENIG LUDWIG II.
Es ist nicht nur eine Bieridee, nach Oberbayern, genauer gesagt nach Murnau, das zwischen München und Garmisch-Partenkirchen liegt, zu reisen. Dank einer Entlastungsstrasse ist das Zentrum von Murnau seit 1998 verkehrsfrei. Durch die Fussgängerzone kommt der Flair des historischen Dorfkerns voll zur Geltung (Bilder unten: Das historische Hotel Post, in dem schon König Ludwig II. übernachtete, das Rathaus , die Mariensäule, die Maria-Hilfe Kirche).
















Auch für Kunst, Geschichte und Literatur ist diese Gegend sehr interessant. Im Murnau lebten nämlich von 1909-1914 Wassily Kandinsky und Gabriele Münter zusammen im sogenannten "Russenhaus" (Bilder unten).




















Gabriele Münter hatte das Haus 1909 erworben. Sie bewohnte es bis zu ihrem Tode 1962 (zunächst mit Unterbrüchen, ab 1931 dauernd), während Kandinsky in Russland bald eine andere Lebenspartnerin fand. Die häufigen Besuche anderer Maler wie Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky liessen das Haus zu einem bedeutenden Treffpunkt der Avantgarde werden. Hier vollzog sich die Entwicklung zur gegenstandslosen Kunst, und hier besprachen Kandinsky und Marc die Entwürfe zum Almanach "Der Blaue Reiter". (Bild unten: Blick vom Münter-Haus auf Murnau).

Die häufigen Besuche anderer Maler wie Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky liessen das Haus zu einem bedeutenden Treffpunkt der Avantgarde werden. Hier vollzog sich die Entwicklung zur gegenstandslosen Kunst, und hier besprachen Kandinsky und Marc die Entwürfe zum Almanach "Der Blaue Reiter". Diese Maler liebten die wunderschöne Landschaft mit ihren sanften Hügeln, mit ihren romantischen Hochmooren und der eindrücklicher Bergkulisse, die in der Ferne strahlend blau erschien. Franz Marc nannte deshalb die Gegend das "blaue Land". Das Murnauer Moos befindet sich südlich von Murnau und ist 23 qkm gross, es ist seit 1964 Landschaftsschutzgebiet (Bild unten: Blick auf das Murnauer Moos und die St. Georg-Kirche).

Der Schriftsteller Oedön von Horvath hatte sich von 1923-1932 hauptsächlich in Murnau aufgehalten, ehe ihn die Nazis vertrieben. Sein Roman "Jugend ohne Gott" spielt teilweise in dieser Gegend. Der Filmregisseur Friedrich Wilhelm Plumpe wählt seinen Wohnort Murnau als Pseudonym: Wir kennen ihn deshalb unter dem Namen Friedrich Wilhelm Murnau (sein berühmtester Film: Nosferatu).

Nicht weit von Murnau beginnt der sogenannte Pfaffenwinkel, eine Gegend mit vielen eindrücklichen Sakralbauten. Die berühmteste Rokokokirche Deutschland, die Wieskirche in der Nähe von Steingaden, wurde sogar zum UNESCO-Welterbe erklärt. Sie kann mit einer schönen Wanderung durch das Hochmoor auf dem "Brettlesweg" erreicht werden (Bilder unten).



Für Romantiker empfehlen sich die Schlösser von Ludwig II. Wem Neuschwanstein zu überlaufen und zu kommerzialisiert ist, dem empfehlen wir Schloss Linderhof in der Nähe von Oberammergau: ein kleines Versailles in den bayrischen Alpen, in waldiger Landschaft eingebettet (Bilder unten).

Schliesslich ist auch der Ort Oberammergau selber, wo alle zehn Jahre die Passionsfestspiele stattfinden, und wo die Herrgottsschnitzer an der Arbeit sind, sehr sehenswert. Viele Häuser im Ort sind mit der sogenannten Lüftlmalerei verziert. Am schönsten ist das Pilatushaus, das Franz Seraph Zwinck 1784 mit illusionistischen Fresken um die Verurteilung von Christus durch Pontius Pilatus überzog (Bild unten).

15 Juli, 2007

AUF DEN SPUREN VON ROBERT WALSER

Unter kundiger Leitung der charmanten und kompetenten Literaturvermittlerin Martina Kuoni folgte ich am ersten Tropentag des Jahres den Spuren des Schweizer Schriftstellers Robert Walser in seiner Zürcher Zeit. Der Einstieg erfolgte im Robert Walser-Archiv in Zürich (Beethovenstrasse 7), wo viele Manuskripte und Briefe sowie die berühmten Mikrogramme aufbewahrt werden: Walser schrieb seine Texte mit Bleistift in winziger Sütterlinschrift auf. Sie kann nur von Experten entziffert werden. Ein Jahrzehnt lang, von 1896 bis 1905, lebte Walser in Zürich. (Bild links: Robert Walser um 1900). Er arbeitete als 'Commis' (Büroangestellter) in unzähligen Firmen, jeweils nur so lange, bis er genug Geld auf der Seite hatte, um sich wieder für einige Zeit dem Schreiben widmen zu können. 17 Wohnadressen sind aus dieser Zeit nachgewiesen: Mansarden in der Altstadt (z.B. Neumarkt 3, Grossmünsterplatz 6, Trittligasse 6, Frankengasse 24), in Aussersihl und auf dem Zürichberg. In Zürich schrieb Walser Gedichte und Prosastücke. An der Trittligasse 6 entstanden im Spätherbst 1901 "Fritz Kochers Aufsätze". Das Buch erschien 1904 im Insel Verlag. Es war kein grosser Erfolg, nur 49 Exemplare konnte der Verlag nach einem halben Jahr absetzen.
Nach dem Rundgang in der Zürcher Altstadt folgte eine Schiffahrt nach Wädenswil. Die zweite Jahreshälfte 1903 verbrachte Walser im kleinen Haus des Erfinders und Ingenieurs Carl Dubler in Wädenswil, das Walser ziemlich ironisch Villa «Zum Abendstern» nannte. Dublers Existenz endete in einem gewaltigen Konkurs. Fünf Wochen vorher hatte Robert Walser aber seine Stellung bei Dubler bereits aufgegeben. Als Frucht dieser Tätigkeit entstand später in Berlin der Roman «Der Gehülfe», in dem Dubler zum Fabrikanten Tobler wurde. Viele Schauplätze dieses Romans können heute noch mühelos in Wädenswil entdeckt werden. Die Villa «Zum Abendstern» gibt es immer noch. Dort wohnt jetzt Bernhard Echte, der bis Ende 2006 das Robert Walser-Archiv in Zürich geleitet und viele Mikrogramme Walsers entziffert hat. Bernhard Echte führte uns durch Wädenswil und durch das Haus und las anschliessend einige Texte von Robert Walser vor. Er und seine Gattin bewirteten uns den ganzen Nachmittag freundlich mit Tranksame (wichtig an diesem Hitzetag) und mit einem reichhaltigen Apéro.

Infos zu den Literaturführungen von Martina Kuoni unter http://www.literaturspur.ch/

Bilder unten: Die Villa "Zum Abendstern" in Wädenswil, das "Bureau" des Erfinders Tobler und der Gartenpavillon, der im Roman "Der Gehülfe" oft erwähnt wird.




03 Juli, 2007

12. INTERNATIONALES LITERATURFESTIVAL IN LEUKERBAD

Alexander Kluge

Während drei Tagen bestritten 23 Autoren und Autorinnen 50 Veranstaltungen an aussergewöhnlichen Orten. Besonders beliebt waren erneut die literarischen Wanderungen durch die Dalaschlucht, heuer mit Juri Andruchowytsch aus der Ukraine und Monique Schwitter aus der Schweiz. "Zum Festival im Festival" wurde der Literarische Abend im trockengelegten Bad St. Laurent. Auch am diesjährigen Literaturfestival in Leukerbad kamen bekannte wie noch kaum entdeckte Autoren aus der ganzen Welt zu Wort. Gemeinsam ist ihnen die hohe literarische Qualität. Und wie immer gilt in Leukerbad die eiserne Regel der Bergler: Die wirklich wichtigen Begegnungen eines Lebens kommen meist unverhofft.

Colum McCann

Es gab viele Highlights: Ein wirklich kluges Gespräch des berühmten Alexander Kluge mit Durs Grünbein - ein Erlebnis. Auch Arnold Stadler mit seinem neuen Roman "Komm, gehen wir!" konnte die ZuhörInnen in den Bann schlagen. Weitere AutorInnen, die uns besonders gefallen haben: Annette Mingels, Monique Schwitter, Christoph Hein, Colum McCann mit seinem neuen Roman "Zoli" (sehr gut!!), Sasa Stanisic (eine Entdeckung!), Robert Menasse (BILD unten, geistreich und sehr ironisch), Monique Schwitter (BILD unten) und die junge Nora Gomringer (eine sprachliche Urgewalt!).







20 Juni, 2007

PETER FISCHLI UND DAVID WEISS: FRAGEN & BLUMEN


Das Kunsthaus Zürich zeigt die erste Retrospektive der zeitgenössischen Künstler Peter Fischli und David Weiss in der Schweiz. Die von der Kuratorin Bice Curiger gemeinsam mit der Tate Modern, London, erarbeitete Präsentation heisst «Fragen & Blumen». Sie wurde zusammen mit den Künstlern eingerichtet und bietet den umfassendsten Überblick über das vielfältige und hintergründige Werk von Skulpturen, Fotografien, Filme und Videos, das sich einfacher Klassifizierung entzieht.

Das Augenmerk von Fischli/Weiss gilt dem Unspektakulären, dem Alltäglichen und scheinbar Banalen. Es ist ein betont unzynischer Blick, der in die Grauzonen unserer aufs Funktionieren angelegte Welt führt. In ihrer ersten gemeinsamen Arbeit, der populär gewordenen Wurstserie (1979), kommt bereits der spielerisch experimentelle Zug ihrer Kunst als antiheroisches künstlerisches Programm zum Tragen, das auch den Humor nicht scheut. Die wichtigsten Werkgruppen von Fischli/Weiss sind in dieser Ausstellung vertreten, so etwa die bekannten grossformatigen Fotoserien der Airports (1987–2006) und der Blumen und Pilze (1997/98), welche ihrerseits aus dem Komplex der "Sichtbaren Welt" (1987–2000) heraus entstanden sind, einem Werk, das hier als rund 30 Meter langer Leuchttisch gezeigt wird, auf dem 3´000 Bilder ausgebreitet sind. Es handelt sich um Fotos, welche die Künstler gewissermassen als Übertouristen auf allen «fotogenen» Schauplätzen dieser Welt gesammelt haben.

Am Anfang ihrer langen Zusammenarbeit entstanden zwei Filme, "Der geringste Widerstand" (1980/81) und "Der rechte Weg" (1982/83), in welchen die Künstler als Ratte und Bär verkleidet die Welt erforschen. In ihnen manifestiert sich schon jener Hang zum Universalismus und listigem Forschergeist, wie er auch in ihrem grossartigen Opus aus hunderten von kleinen, ungebrannten Tonskulpturen "Plötzlich diese Übersicht" (1981) zum Tragen kommt. Eingefangen sind Momente der Weltgeschichte, die mit verschobener Perspektive die ganze Geschichtssschreibung aus dem Lot zu heben scheinen. Dieser Panoramablick auf die Welt ist zugleich subjektiv und überindividuell.
«Darf sich die Wahrheit alles erlauben?», heisst denn auch eine der entwaffnenden Fragen aus der von Fischli/Weiss über Jahrzehnte verfolgten Werkgruppe der "Fragen" (1981–2003). Weitere Fragen: "Bin ich ein Bauer im Winter?“ „Ist ein unsichtbarer Mensch bei mir?“, „Wo sind meine Schlüssel?“ ,"Bellt der Hund die ganze Nacht"? "Wird die Menschheit zugrunde gehen"? , "Versteht man mich?", "Wann fährt der nächste Bus?“, „Wäre ich ein guter Japaner?“, „Stimmt es, dass im Yogurth Spuren von Ausserirdischen gefunden wurden?“ - Kunsthaus Zürich, 6. Juni – 9. September 2007

16 Juni, 2007





ART BASEL 07

Es ist wie immer ein tolles Vergnügen, in diese wunderbare, skurrile Kunstwelt einzutauchen. Auch die BesucherInnen sind immer wieder ein Erlebnis - wie Eva und Adele, die jedes Jahr an die ART kommen.

Alle Kunstrichtungen
Auf der Art sind alle Kunstrichtungen vertreten, von der Malerei über Zeichnungen und Fotografien, Skulpturen und Installationen bis hin zu aufwendiger Internet- und Videokunst. Wegen des Umfangs der Messehallen können auch großformatige Werke präsentiert werden, die in den üblichen Ausstellungsräumen nicht gezeigt werden können. Werke von rund 2000 KünstlerInnen werden auf der Art Basel in diesem Jahr zu sehen und zu kaufen sein. Es werden mehr als 55.000 Besucher erwartet. Um einen Platz auf der Messe hatten sich in diesem Jahr mehr als 850 Galerien beworben. Samuel Keller rückt die Konzentrierung auf die Künstler bewußt in den Vordergrund. Für den Art Basel Chef ist es die letzte Kunstmesse, bevor er zur Fondation Beyeler wechselt.


Kundschaft aus USA, Asien und Lateinamerika
Profitable Geschäfte lassen sich nach Angaben von Messedirektor Samuel Keller vor allem mit Kunden aus den USA, aus Asien und aus Lateinamerika machen. Die USA seien seit den 90er Jahren der größte und am schnellsten wachsende Markt für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts gewesen. Die Bereitschaft, für Kunst sehr viel Geld auch als Kapitalanlage auszugeben, sei ungebrochen, sagte Keller.




10 Juni, 2007


SILBERMANN: GESCHICHTE EINER ORGELBAUERFAMILIE

Der Name «Silbermann» steht im Orgelbau für höchste Qualität und musikalische Vollkommenheit. Bis heute ist der Name dieser sächsisch-elsässischen Orgelbauerfamilie des 18. Jahrhunderts weithin bekannt. Dem «Phänomen Silbermann» spürt eine gemeinsam vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe, dem Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen und den Strassburger Archiven erarbeitete Ausstellung nach, die jetzt im Forum Würth in Arlesheim zu sehen ist.
Die Ausstellung hat bereits in Villingen, Karlsruhe und Strassburg zahlreiche Besucher angezogen und international weit über die Fachgrenzen hinaus grosse Beachtung gefunden. Neben Exponaten zur Wirtschaftsgeschichte der beiden Kulturräume Elsass und Sachsen vermitteln vor allem originale Pfeifen, Blasebälge und Windladen aus der Silbermann-Werkstatt interessante Einblicke in die aufwendige Bauweise der Silbermann Orgeln. Orgelmodelle laden die Besucher ein, spielerisch die Funktionsweise einer Pfeifenorgel zu erkunden.
Die Orgelbauerfamilie Silbermann war in Sachsen unter August dem Starken, im Elsass unter den französischen Königen Ludwig XIV. und Ludwig XV. sowie in den von grossen Klöstern geprägten Territorien des heutigen Badens und der nördlichen Schweiz tätig. Hier konnten die Mitglieder der Familie Silbermann ihr Handwerk auf höchstem technischem und musikalischem Niveau entfalten. Ausführlich vorgestellt werden Andreas (1678–1734), Gottfried (1683–1753) und Johann Andreas Silbermann (1712–1783); weitere Familienmitglieder sind mit Instrumenten vertreten.
Im Mittelpunkt der Ausstellung werden – exemplarisch für die über 140 Orgeln aus den Silbermann-Werkstätten – acht Instrumente in historischen Originalzeugnissen vorgestellt, die musik- und kulturgeschichtliche, konfessionelle und politische Aspekte beleuchten. Neben der Domorgel Arlesheim sind dies die Orgeln der Benediktinerabteien von Marmoutier im Elsass, Villingen und St. Blasien im Schwarzwald, die Orgeln aus den beiden grossen protestantischen Kirchen St. Thomas in Strassburg und dem Dom im sächsischen Freiberg sowie aus den Dorfkirchen in Meissenheim (Baden) und Ponitz (Sachsen). Ausgewählte Exponate zeigen zudem das jahrzehntelange Wirken der Familie Silbermann in Basel.
Bilder: Orgel von Johann Andreas Silbermann im Dom von Arlesheim, 1761; Johann Andreas Silbermann.
Die Ausstellung im Forum Würth in Arlesheim dauert bis zum 19. August 2007. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei.

08 Mai, 2007

VENEDIG

Die Serenissima in Worten fassen - das kann wohl nur Thomas Mann. Deshalb sollen hier stellvertretend einige Bilder für Venedig sprechen!






















Die Fotos: die Seufzerbrücke; Parade auf dem Canal Grande; Maske des Pestarztes; Gruppe der Porphyrstatuen an einer Ecke des Markusplatzes, die Tetrarchen darstellend; die Basilica San Marco; der Aufenthaltsraum eines Hotels (das ehemalige Refektorium eines Klosters der Karmeliterinnen); Briefkasten für Denunzianten im Hof des Dogenpalastes; die Kirche San Giorgio Maggiore; Blick vom Ca' d'Oro auf den Canal Grande; Peggy Guggenheim Collection.